Dresden und Sachsen in den Medien: Wenn die eigene Alma Mater negativ assoziiert wird

Es war ein schleichender Prozess. Begonnen hat er ungefähr, als ich Dresden das erste Mal verlassen hatte, um im Süden von Deutschland mein Fachpraktikum zu absolvieren. Während meines anschließenden Auslandssemesters in Loughborough (UK) begann ich dabei zu realisieren, dass dieser Prozess nicht nur in Deutschland stattfindet, sondern von globalen Ausmaß ist.

Mit „Prozess“ meine ich in diesem Kontext die immer stärkere werdende Assoziation von Dresden mit Pegida bzw. von ganz Sachsen mit Rechtsextremismus.

Als ich aus meinem Auslandssemester zurückkehrte war ich mir daher, eingeschüchtert durch die mediale Berichterstattung, unsicher, was mich genau erwarten würde. Tatsächlich musste ich jedoch schnell feststellen, dass sich in meiner selbst geschaffenen „Blase“ aus Universität und diversen ehrenamtlichen Tätigkeiten nicht viel verändert hatte. Als nennenswerte Veränderungen in meinem unmittelbaren Alltag waren höchstens die zahlreichen Aufrufe zu „Gegendemonstrationen“ zu erwähnen. Ansonsten galt „Business as usual“.

Während meines MBAs in Paris und Frankfurt allerdings konnte ich dann zum ersten Mal wirklich auch für mich sehr nachdrückliche Erfahrungen bezüglich der Außenwahrnehmung von Sachsen / Dresden sammeln. Denn bei dem Großteil meiner neuen Bekanntschaften konnte ich unmittelbar nach meiner Selbstvorstellung damit rechnen, dass ich mit Fragen zu Pegida und Rechtsextremismus konfrontiert werde. In einigen Gesprächen hatte ich dabei fast den Eindruck, dass ich mich für meinen Studienort und somit auch für meine Universitätswahl rechtfertigen müsste – vor allem, da ich ursprünglich kein gebürtiger Sachse bin. Den Höhepunkt erreichte diese Entwicklung als ich einem Studienkollegen aus Paris, der Moslem ist und einen leicht südländischen Hautton hat, empfahl bei seinem Deutschlandurlaub Dresden zu besuchen. Denn es dauerte nicht lange, bis ich von anderen Kommilitonen darauf hingewiesen wurde, dass dies doch zu gefährlich für ihn sein könnte. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, dass ein Aufenthalt in Dresden anscheinend auch als lebensgefährlich eingestuft werden kann.

Da ich nicht einschätzen konnte und bis heute auch nicht kann, wie es zu diesen doch sehr drastischen Auffassungen über meine neue Heimat im Detail kommen konnte, habe ich deshalb diesen Montag eine Fishbowl-Diskussion zu dem Thema „Dresden und Sachsen in den Medien“ besucht. Summa summarum hatte ich den Eindruck, dass auch die Vertreter von Deutschlandfunk und der ZEIT keine wirklich eindeutige Erklärung hatten, weshalb ich hier nur auf eine von mir während der Diskussion gewonnene Erkenntnis eingehen möchte: Es wurden anscheinend auf allen Seiten Fehler begangen – sowohl bei der Politik, als auch den Medien und den Konsumenten / uns allen. Denn für letztere war es zu keinem Zeitpunkt so einfach wie heute, mit eigenen Mitteln selbst das Außenbild von Sachsen und Dresden mit zu gestalten. Man benötigt hierfür lediglich eine Internetverbindung.

Deshalb möchte ich in den nächsten Monaten in verschiedenen Blogbeiträgen herausstellen, was Dresden so lebenswert macht, warum die Technische Universität Dresden eine m.E. hervorragende Alma Mater ist und dass das Elbflorenz mehr als Pegida und Rechtsextremismus zu bieten hat.

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