Future Mobility Camp Dresden 2019 #fmcdd19

Die Zukunft der Mobilität, unserer Mobilität – wie wird sie aussehen? Diese Frage ist wohl einer der aktuell am heiß diskutiertesten Fragen über verschiedenste Gruppen hinweg: Angefangen beim Berufspendler über den Sonntagsstammtisch-Frühschopper bis hin zum langjährigen Experten im autonomen Fahren. Und doch wird diese Frage wohl keiner so schnell beantworten können.

Umso mehr hat mich deshalb das Future Mobility Camp in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden in seinen Bann gezogen, das schon mit seinem Format des Barcamps, d.h. dass es keine festgelegte Agenda / Rednerliste im Voraus gibt, sich eher unkonventionell dieser Frage zu nähern scheinte. Und so war es dann auch:

In drei Sessions, die von den Teilnehmern selbst gestaltet wurden, gewann ich einen Einblick in den zukünftigen Verkehr / die zukünftige Mobilität aus Sicht von Verkehrswissenschaftlern, Studenten und City-Consultants.

Die erste Session drehte sich dabei 70 Minuten lang um „Micromobility“, d.h. um innerstädtische Mobilität in Form von elektrischen Scootern, wie sie z.B. in Paris bereits an jeder Straßenecke zu finden sind. Definitionsgemäß spricht man bei Micromobility über Fahrzeuge, die eine Maximalgeschwindigkeit von 15 km/h erreichen.

E-Scooter sind vor allem in Metropolen wie z.B. Wien oder Paris auf dem Vormarsch. In Wien werden sie dabei nachts eingesammelt, geladen und am morgen wieder ausgeteilt.

Der Fokus von Micromobility liegt vor auf allem der Fragestellung, wie man mehr Leute in derselben Zeit durch denselben begrenzten Raum transportieren kann. Als Lösung hierfür diskutierten wir in der kurzen Zeit nicht nur die bereits genannten E-Scooter, sondern auch ferngesteuerte Skateboards, kilometerlange Transportbänder, wie man sie bspw. vom Flughafen Frankfurt kennt, sowie ein ebenfalls vom Flughafen-Gepäcksystem inspiriertes Transportsystem. Bei diesem könnte jeder Passant beispielsweise einen „ID-Tag“ bekommen, anhand dessen er in einem riesigen „Gepäcksystem“ durch die Stadt befördert wird.

Gibt es Laufbänder, wie dieses hier am Frankfurter Flughafen, bald auch in Innenstädten?

Letztendlich konnten wir uns in der 70 Minuten langen Session auf keine Lösung einigen und verloren uns zum Teil auch in einer kleinteiligen Debatte über die aktuelle Gesetzeslage sowie die mögliche Vereinbarkeit von Fußgängern und E-Scootern auf dem Bürgersteig. Nichtsdestotrotz haben mich folgende Argumente nachhaltig beeindruckt:

  1. Eine Studie aus Portland (Oregon) hat nachgewiesen, dass E-Scooters zwar den Autoverkehr ersetzen, jedoch nicht den Fußverkehr. Weiterhin greifen vor allem Touristen auf die leicht ausleihbaren E-Scooter zurück.
  2. Auch wenn uns die für die Micromobility notwendigen Anpassungen in der Infrastruktur groß erscheinen, so sind sie doch in keinem Maße mit den Aufwendungen für die durch das Automobil verursachten Infrastrukturmaßnahmen zu vergleichen. In einem ersten Schritt gilt es vor allem vorhandene Fahrbahnbreiten anzupassen bzw. Verkehrstrennungen einzuführen.
  3. Micromobility könnte kleinen Supermärkten und Läden wieder zu neuem Aufschwung verhelfen, da Fahrten zu diesen wieder lukrativer werden würden. Somit könnte das Straßenbild je nach Region / Stadtteil wieder diverser werden.
  4. Über die letzten Jahrzehnte hinweg investierten die Menschen weltweit immer die gleiche Zeit für Reisen. Somit ist die Zeit, die man mit dem Transport / Reisen am Tag verbringt über die Zeit, die Transportformen und den Komfort des Fortbewegungsmittels innerhalb eines Landes konstant. Wir reisen heutzutage vielleicht schneller, dafür jedoch weiter und häufiger.

Ich persönlich bin der Meinung, dass Micromobility ein ernst zu nehmender Trend ist und außerdem ein richtiger Schritt hin zu einer sinnvollen Raumnutzung der Städte sein kann.

Denn wie viel wertvollen Platz verschenken wir schon jetzt beispielsweise für mehrspurige Straßen durch die Stadtkerne, die meistens unter einer starken Staubelastung unter Stoßzeiten leiden? Und wie viel Raum für Parkplätze, auf denen Fahrzeuge stehen, die durchschnittlich nur eine Stunde am Tag genutzt werden?

Selbstverständlich gilt es auch hier, nach sinnvollen und nachhaltigen Lösungen zu suchen. E-Scooter, die aufwendig eingesammelt und über Nacht geladen werden müssen, scheinen mir hier nicht zielführend. Zumal die meiner Meinung nach oft lieblos abgestellten E-Scooter nicht immer zu einer Verschönerung des Straßenbildes beitragen. Ich sehe hierbei ebenfalls die Gefahr, dass eine Vielzahl an Anbietern die Städte mit Sharing-Angeboten fluten könnte mit der Gefahr, dass bei einer Insolvenz des Anbieters die Fahrzeuge nicht mehr eingesammelt werden. Obike aus Singapur sind hierfür ein mahnendes Beispiel, die 2018 über 30.000 Fahrräder in Europa hinterließen.

Nun aber genug des Orakelns – einige der zuletzt aufgeworfenen Fragen werde ich demnächst in den #fmcdd19 Sessions über IOKI und Parkraumbewirtschaftung nochmals aufgreifen. Bis bald!

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